Urkunden einer Frühmesse und Mittelmesse in Herzogenaurach

Herzogenaurach – Teilüberlieferung einer Früh- bzw. Mittelmesse.

Vorhanden sind 17 Urkunden auf Pergament aus den Jahren 1371 bis 1505, davon eine in lateinischer sowie 16 in deutscher Sprache, in verschiedenen Größen von ca. 11,5 x 24,5cm bis 28,5 x 46cm. Dreizehn der Urkunden mit Siegel(n) bzw. Siegelresten.
Dazu ein Zinsbuch der Bruderschaft der Engelmesspfleger zu Ebermannstadt aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, deutsche Handschrift auf Papier (neun Blätter) und Pergament (zwölf Blätter) im Format ca. 19,8 x 16cm. Enthält diverse Einträge von verschiedenen Händen aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Wohl zu Beginn inkomplett, es fehlt mindestens ein Blatt.

Die zentrale Urkunde der vorhandenen Überlieferung datiert vom 7. Juli 1380. Gerhard, Bischof von Würzburg, bestätigt die Errichtung einer Frühmesserstelle in der Pfarrkirche zu Herzogenaurach einschließlich ihrer Verfassung. In der im vidimus des Abtes Andreas von St. Peter in Münchaurach von 1490 beglaubigten „Gründungs“-Urkunde von 1379 dinstag nach Oculi mei wird die Errichtung einer Frühmesserstelle bereits beschrieben, insbesondere das Verhältnis zum Pfarrer und seine Tätigkeiten genau festgelegt.
Somit ist die Errichtung der Frühmesserstelle sowohl durch die Gründungsurkunde von 1379 (vidimus von 1490) als auch durch die Bestätigungsurkunde des Bischofs von Würzburg von 1380 dokumentiert. Die weiteren Urkunden dokumentieren die Einkommen der Frühmesse, als Beispiele seien genannt:
1371, 22. September. Die Nürnberger Bürger Marquart Plessing und seine Frau Elsbeth verkaufen dem Heinrich Wustendorffer einen Eigenacker zu Puchenbach zu Erbrecht.
1400, 10. Juli. Stadtgerichtsurkunde – Die Brüder Johann Lederer, Augustinereremit in Nürnberg, und Heinrich Lederer, Bürger in Nürnberg, verkaufen dem Herzogenauracher Pfarrer Ott Forster ihre Eigengüter in Oberlintach.
1418, 29. April. Verleihung von anderthalb Morgen Reutackers in Herzogenaurach durch Ott Forster und die Bürger von Herzogenaurach an Chuntz Nopp Gerhausen.
1471, 12. Januar. Georg, Bischof von Bamberg, beurkundet die Verpachtung eines Hofes, genannt Poner Hof, durch Johann Selmann, Pfarrer zu Eckelsheim (Eggolsheim), als Prokurator und Verweser für Conrad Selmann, Frühmesser in Truchendorf, an Hans Amman und seine Frau mit detailierter Festlegung des jährlich zu Michaelis fälligen Pachtzinses.
Die weiteren Urkunden dokumentieren den Geschäftsverkehr rund des ersten Jahrhunderts der Herzogenauracher Früh- bzw. Mittelmesse unter Nennung zahlreicher Orts- und Personennamen und geben damit einen lebendigen Einblick in das spätmittelalterliche Messwesen. Frühmesser, Mittelmesser oder auch Engelmesser waren privat, zum Beispiel aus Stiftungsvermögen, finanzierte Priester, die zusätzlich zum Pfarrer Messen abhielten und so für das Seelenheil der Stifter sorgen sollten.
Das Vorhandensein des Zinsbuches der Bruderschaft der Engelmesspfleger zu Ebermannstadt in der vorliegenden Überlieferung mag sich aus einer hier nicht herausgearbeiteten Verbindung von Pfründen erklären.
Möglicherweise liegt hier ein wesentlicher Teil der Überlieferung vor. Dafür spricht das Vorhandensein der beiden wichtigsten Urkunden sowie der recht gleichmäßigen Überlieferung ohne größere Lücken. Der Übergang von der Früh- zur Mittelmesse ist allerdings in den vorliegenden Urkunden nicht dokumentiert. Da die Urkunden der Früh- und Mittelmesse formal eigenständig aufbewahrt wurden, ist eine geschlossene Überlieferung unsicherer als bei einer geordneten Archivierung. In der Praxis erfolgte die Aufbewahrung der Urkunden oft im Pfarrarchiv, genauso gut denkbar ist jedoch auch die einfache Verwahrung der Urkunden in einer „Vereinskasse“.
Der Erhaltungszustand der Urkunden ist insgesamt als sehr gut bzw. gut zu bezeichnen, nur in zwei Fällen (1380 und 1400) ist durch kleine Flecken die Lesbarkeit partiell leicht beeinträchtigt (unter UV-Licht jedoch vollständig gegeben), eine Urkunde (1505) ist stärker verblasst und beschädigt. Von den Siegeln weist die Mehrzahl mehr oder weniger starke Beschädigungen bzw. Verlust auf, zwei Urkunden mit vollständigem Verlust der Siegel. Das Zinsbuch mit stärkeren Alters- und Gebrauchsspuren, teils fleckig und abgegriffen, Heftung gelockert.

Provenienz: Privatbesitz Süddeutschland. Meine Onlinerecherche im Stadtarchiv Nürnberg ergab das Vorhandensein von drei der Urkunden (1371, 1400 und 1418) in Abschrift in einem Einkünfteverzeichnis der Pfarrei Herzogenaurach von 1536 (Signatur D2/ IV Nr. 2232).

Nicht zuletzt unter antiquarischen Gesichtspunkten stellt die vorliegende Überlieferung einen in ihrem Umfang heutzutage sehr seltenen und kostbaren Fund dar. (A0016)

Euro 15.900.- * Margenbesteuerung nach § 25a UStG.


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