Medizinbuch und ars moriendi, Heinrich Laufenberg zugeschrieben

Medizinbuch und ars moriendi (Heinrich Laufenberg, c.1390-1461, zugeschrieben).
Versehu(n)g leib:// sell eer und gutt//
Nürnberg, Wolfgang Huber, 1509.
Quart, Blattgröße 25 x 18cm.
67 (von 68) Bll. Kollation: a-h8 (-h8, weiß), *4.
Vollständig bis auf das fehlende weiße Blatt h8.
Beigebunden fünf Blätter mit zeitgenössischen Einträgen von mehreren Händen meist in deutscher Sprache, seltener in Latein. Darunter finden sich unter anderem Diagnosen und Rezepte sowie ein Auszug aus einer Chronik der Kaiser und ihrer Frauen von 1503-1534.
Mit rot gedrucktem xylographischem Titel und blattgroßem Holzschnitt auf dem Titelblatt verso.
Holzdeckelband der Zeit über drei Doppelbünden. Moderne Leinwandkassette.
Exemplar mit starken Gebrauchsspuren: Einbandbezug fast vollständig abgerieben, Vorderdeckel gebrochen und alt mit Pergament aus einem Manuskript fixiert. Hinterdeckel nur noch zur Hälfte vorhanden. Von der Mittelschließe nur noch der Beschlag auf dem Vorderdeckel vorhanden. Bindung intakt aber schwach. Innen durchgehend etwas fleckig, teils umfangreiche zeitgenössische handschriftliche Anmerkungen von verschiedenen Händen. Titelblatt fast gelöst und mit lateinischen Sinnsprüchen in einer humanistischen Hand und zwei kleinen Zeichnungen mit den Sternbildern Schütze (Kentaur) und Jungfrau. Mehrere Blätter lose, abgegriffen, teilweise mit Randläsuren. Breitrandiges Exemplar auf starkem Papier, die beigebundenen Blätter aus gleichartigem Papier.
Die Benutzungsspuren dokumentieren die intensive Benutzung des Buches. Es wird deshalb unrestauriert in einer schützenden Leinwandkassette angeboten.
Sehr seltene Ausgabe, nach drei Inkunabelausgaben (Nürnberg, Wagner, 1489, Augsburg, Schobser, 1490 und Augsburg, Schönsperger, 1493) die erste im 16. Jahrhundert.
Der Text ist ein Handbuch zur Erhaltung der körperlichen und geistlichen Gesundheit. Er enthält neben umfangreichen Kapiteln über die Medizin und ihre Heilmittel auch Abschnitte z. B. über die zwölf Sternzeichen, den Aderlass, über Zeichen, die den Tod ankündigen oder auch über die geistliche Vorbereitung auf den Tod. Die für den Laien gedachte Kompilation aus Medizinbuch, Beichtspiegel und ars moriendi erschien nur in deutscher Sprache und ist ein typische Beispiel für ein spätmittelalterliches Volksbuch zur körperlichen und geistlichen Erbauung. Als Kompilator des Werkes nennt Burghart Wachinger (VL2, Bd. 5, Berlin, New York 1985, Sp. 614-625, hier vor allem 616-618) den Geistlichen Heinrich Laufenberg, ca. 1390 – 31.3.1461, der erst in Freiburg, ab 1445 in Straßburg nachweisbar ist.
Der Holzschnitt auf der Rückseite des Titelblattes zeigt einen auf dem Bett liegenden Sterbenden, umgeben unter anderen von einem Arzt mit Harnglas (Fürsorge für den Leib), einem Priester mit Kelch (Fürsorge für die Seele) sowie einem Notar mit Urkunde (Fürsorge für Ehre und Gut). Darüber im Schriftband „versehung eines menschen leib sel ere und gut“.
Der Drucker Wolfgang Huber ist von 1506 bis 1514 in Nürnberg nachweisbar. Die Erzeugnisse seiner Offizin sind meist Kleinschriften in deutscher Sprache.
Obwohl es sich bei der Versehu(n)g leib:// sell eer und gutt// um ein deutschsprachiges Buch für Laien handelt, war das vorliegende Exemplar wohl zeitweilig im Besitz einer humanistisch gebildeten Person, wofür insbesondere Inhalt und Schrift der Einträge auf dem Titelblatt sprechen. D0030.
VD 16, V 854 (sechs Exemplare). Falk, Die deutschen Sterbebüchlein, S. 59-62, Nr. 11. D0030.
Euro 6.500.- inkl. 7% Mehrwertsteuer.


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