Johannes Reuchlin: De rudimentis hebraicis (Pforzheim 1506) – Arbeitsexemplar mit Marginalien und Register

Reuchlin, Johannes, * 29. Januar 1455 in Pforzheim – † 30. Juni 1522 in Stuttgart.

De rudimentis hebraicis.

Pforzheim, Thomas Anshelm, 1506.

Folio, Blattgröße 28 x 20,5cm.

1, 621, 1 S., 2 Bl. Zuzüglich Einschaltblatt S. 589/90. Falsche gedruckte Paginierung auf den Seiten 617-621 zeitgenössisch handschriftlich berichtigt.

Mit großem altkoloriertem Wappenholzschnitt und Holzschnitt-Druckermarke. Teils mit rot und blau eingemalten Initialen und Alineazeichen. Zahlreiche zeitgenössische Marginalien, Unterstreichungen, Anmerkungen.

Vorgebunden: 42 Blätter, davon 21 Blätter mit einem vierspaltigen, rund 50-zeiligen lateinischen Register A-Z mit ca. 8.000 (!) Einträgen in einer sehr ebenmäßigen und sauberen zeitgenössischen Handschrift. Dieses Register wurde von gleicher Hand wie der gedruckte Text mit rot und blau eingemalten Initialen versehen. Die weiteren Blätter enthalten ein unvollständig gebliebenes lateinisches Register unter hebräischen Kapitelbuchstaben von einer anderen frühen Hand.

Blindgeprägter Schweinslederband der Zeit über Holzdeckeln. Vier Doppelbünde. Schließen fehlen. Stark berieben und vor allem an den Ecken bestoßen. Zeitgenössischer zehnzeiliger handschriftlicher Eintrag auf dem Vorderdeckel unlesbar. Spiegel und Vorsätze mit zahlreichen zeitgenössischen und frühen handschriftlichen Einträgen. Vordergelenk mit Makulaturstreifen aus einem Manuskript des 13. Jahrhunderts. Der Buchblock zu Beginn und am Schluss leicht fleckig, teils mit leichtem Feuchtrand. Letzte Blätter mit größerem Wurmgang im Bundsteg, ohne Textverlust. Kleines Wurmloch im Holzschnitt. Zwei Textblätter mit Einriss, ein Textblatt mit Fehlstelle im weißen Fußsteg.

Der altkolorierte Holzschnitt zeigt das Wappen Reuchlins, welches ihm von Kaiser Friedrich III. bei der Erhebung in den Stand eines Hofpfalzgrafen verliehen wurde.

Unter den zahlreichen Einträgen befindet sich auf dem vorderen Spiegel ein etwa halbseitiger Text unter dem Titel: Ad hebrey lingua studiu(m) exhortatio (Eine Ermahnung zum Studium der hebräischen Sprache).

Das berühmte Werk Reuchlins zur Erlernung der hebräischen Sprache in einem besonderen Exemplar: Die zahlreichen handschriftlichen Anmerkungen zeugen von einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Werk. Die gleichmäßig eingemalten Initialen in Druck und Handschrift belegen die planmäßige Entstehung des Kodex. Der Wappenholzschnitt ist sorgfältig koloriert. Obwohl das Werk in lateinischer Sprache angelegt ist, läuft die Blattzählung von rechts nach links, wie bei hebräischen Büchern. Das handschriftliche Register A-Z läuft dagegen von links nach rechts.

Johannes Reuchlin, Diplomat im Dienst des württembergischen Grafen/ Herzogs Eberhardt im Bart, Philosoph, Jurist und Richter beim schwäbischen Bund, gilt als der bedeutendste christliche Hebraist seiner Zeit nördlich der Alpen (Roloff, NDB 21, 2003, S. 451-453).

Reuchlins De rudimentis hebraicis gilt als grundlegend für die christliche Hebraistik und wurde unter anderem auch von Martin Luther benutzt. Druckgeschichtlich ist das Werk bedeutend, weil es als das erste mit beweglichen hebräischen Lettern gedruckte Buch im deutschen Sprachraum gilt. Der Drucker Thomas Anshelm erscheint 1488 in Straßburg als Drucker, wechselte 1496/ 1500 nach Pforzheim, 1511 nach Tübingen und 1516 schließlich nach Hagenau, wo er wohl bis 1522 druckte. 1523 übernahm Johann Setzer seine Druckerei. Thomas Anshelm gilt neben Johannes Froben als der bedeutendste humanistische deutsche Buchdrucker (Schottenloher, NDB 1, 1953, S. 312).

Vorliegendes Exemplar stammt aus dem humanistischen Umfeld des frühen 16. Jahrhunderts, eventuell sogar aus dem direkten Umkreis Reuchlins. Eine wissenschaftliche Untersuchung der handschriftlichen Enträge führt möglicherweise zu einer genaueren Zuschreibung. D0038

Provenienz:
M. Christopher Vogel, Theologiestudent, Weißenfels/ Meissen 1664
C. D. Haßler, Theologiestudent aus Degenfelde-Wartenberg, Leipzig 1822

VD 16, R 1252.

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