Lorenz Fries – Arzt, Astrologe, Geograph

Fries (Frisius, Phrisius, Phryes), Lorenz, um 1490-1532.
Spiegel der Artzny des geleichen vormals nie vo(n) keine(m) doctor in tütsch ußgange(n) ist nützlich un(d) gut alle(n) denen so der artzet radt begeret, auch den gestreiffelten leye(n), welche sich und winden mit artzney umb zegen. In welchem du findest bericht aller hendel der artzney, gezoge(n) uß den fürne(m)sten büchern & alten, mit schöne(n) bewerte(n) stücken un(d) kürtzwygen reden, gemacht von Laurentio Phryesen vo(n) Colmar Philosophy und Artzney Doctor.
Straßburg, Johann Grüninger, 1518.
Folio, Blattgröße 27,2 x 18,5cm.
184 (statt 182) Blätter, die beiden Blätter XV und XVI doppelt eingebunden. Kollation: A6, B4, C-Z6 (CIII und CIV doppelt), a-f6, g4, h6.
Titel in Rot u. Schwarz mit breiter figürlicher Holzschnitt-Bordüre. Mit 2 doppelblattgroßen Holzschnitt-Tafeln, 11 Textholzschnitten u. zahlreichen Holzschnitt-Initialen.
Blindgeprägter Schweinsledereinband des späten 16. Jahrhunderts/ frühen 17. Jahrhunderts auf vier Bünden.
Exemplar mit deutlichen Alters- und Gebrauchsspuren: Einband beschabt, bestoßen u. Fleckig. Ecken und Kapitale teilweise mit kleinen Bezugsfehlstellen bzw. Einrissen. Deckel leicht gewölbt, dadurch die untere Schließe nicht funktionstüchtig (die obere fehlt). Titelblatt mit verblasstem Stempel und wie auch das letzte gelockerte Blatt alt hinterlegt. Ein langer Einriss dadurch geschlossen; der Text auf der Rückseite des Titels ausgespart und dadurch vollständig erhalten. Die ersten und letzten Blätter, besonders der Titel und das letzte Blatt, stärker (finger-)fleckig, mit kleinen Randläsuren bzw. -einrissen und teilweise angefalzt. Bei einer Textillustration (Ärzte an einem Krankenbett) kleiner Bildverlust durch ein ausgekratztes Gesicht. Mit abnehmenden Wurmspuren (dadurch zu Beginn etwas Buchstaben- bzw. Bildverlust). Einige Knickspuren, wenige Marginalien. Durchgehend etwas gebräunt, fleckig und wasserrandig. Die Alters- und Gebrauchsspuren sind typisch für diese Art Bücher, die oft intensiv benutzt worden sind. Interessant ist die alte Restaurierung des ersten und letzten Blattes; diese scheint bereits bei der Herstellung des Einbandes vorgenommen worden zu sein, also womöglich noch im späten 16. Jahrhundert. Die Rückseite des letzten Blattes enthält einen 1674 datierten Eintrag.
Erste Ausgabe, von großer Seltenheit. Der deutsche Arzt, Astrologe und Geograph Lorenz Fries war Anhänger der arabischen Medizin, die er vehement verteidigte (vgl. Hirsch/H. II, 448). Das Werk sollte eine Vermittlerrolle zwischen Arzt und Laienpublikum darstellen und behandelt alle Bereiche der Medizin, auch Ernährung, Balneologie, Aderlassen, Seuchen (u.a. „Von der Pestilentz“), Pharmazie usw. Bemerkenswert sind die beiden eindrucksvollen doppelblattgroßen Holzschnitte zu Beginn des Werkes. Der erste, bezeichnet Anatomia corporis Humani 1517 zeigt die …inneren glyderen des menschen durch…Wendelinu(s) hock von Brackenau…, der zweite ein menschliches Skelett, ebenfalls datiert 1517. Sie zählen zu den frühesten realistischen anatomischen Abbildungen.
Neben vorliegendem Hauptwerk schrieb Lorenz Fries u.a. mehrere Prognostiken, einen Traktat zum Gebrauch von Astrolabien, Traktate über Seekarten, darunter auch über die Waldseemüller-Karte, sowie eine Verteidigungsschrift der arabischen Medizin.
VD16, F 2871 (fünf Exemplare); USTC 694406 (sechs Exemplare, zusätzlich zu den im VD 16 genannten Exemplaren kommt dasjenige in Colmar, Bibliotheque municipale, dazu); Waller 3265; Benzing 27; vgl. Durling 1663; Wellcome I, 2420 (beide nur die Ausgabe Straßburg, 1519) und BM STC, German Books (nur Ausgabe 1532); nicht bei Adams u. Osler.
(D0021)
Euro 9.800.- inklusive 7% Mehrwertsteuer


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